Eine der ersten deutschsprachigen muslimischen Gemeinden

in Deutschland – offen, kompetent und aktiv.

In Karlsruhe und Umgebung.

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Der Qur’an wurde von vielen Prophetengefährten auswendig gelernt. In der Schlacht von Jamama, bei der viele dieser Huffaz getötet wurden, riet ‘Umar ibn Al-Khattab dem ersten Khalifen Abu Bakr, möge Allah mit ihnen zufrieden sein, eine standardisierte Ausgabe des Qur’ans - dessen Schutz von Allah garan­tiert wurde – im Dialekt der Quraisch anzufertigen. Abu Bakr gab eine solche Ausgabe in Auftrag.

Nach seinem Tod ging sie zur Aufbewahrung an ‘Umar und bei dessen Hinscheiden an seine Tochter Hafsa über, damit diese vorsichtig bewahrt werden sollte. Während des Khalifats von ‘Uthman ibn Al-Affan, möge Allah mit ­ihnen allen zufrieden sein, stellten die Leute fest, dass abweichende und falsche Qur’an­rezitationen unter frisch konvertierten, nicht-arabischen Völkern an Orten wie Armenien und Aserbaidschan auftauchten. ‘Uthman, möge Allah mit ihm zufrieden sein, lieh sich daher die Sammlung in Hafsas Aufbewahrung aus, um sechs gleichförmige Kopien anzufertigen. Sie wurden in die wichtigsten politischen und kulturellen Zentren des islamischen Herrschaftsgebiet entsandt. Alle anderen Versionen, die nicht dem überlieferten Standard der Huffaz von Medina entsprachen, wurden verbrannt. In allem bezweifelte niemand die Vertrauenswür­digkeit von Hafsa, oder fragte sich, ob sie die, ihr anvertraute Ausgabe irgendwie verfälscht haben könnte.

Zur Zeit der Prophetengefährten fragte sich niemand, ob das direkt von Frauen bezogene Wissen legitim sei. Hierbei sollten wir in Betracht ziehen, dass sich in den Büchern der prophetischen ­Aussagen und Beschreibungen seiner Handlungen (Ahadith) in jedem Kapital Frauen unter den Überlieferern finden. Imam Hakim Naisapuri stellte fest: „Ein Viertel unseres Dins hängt von den Überlieferungen der Frauen ab. Hätte es sie nicht gegeben, hätten wir ein Viertel unseren Din verloren.“

Imam Abu Hanifa beispielsweise war der Ansicht, dass das freiwillige Gebet vor dem Mittagsgebet aus vier Gebetseinheiten besteht, während die Imame und Begründer der anderen Rechtsschulen von zwei ausgehen. Die letzteren ­beriefen sich auf eine Überlieferung von ‘Abdullah ibn ‘Umar, während Abu Hanifa seine Meinung mit der Ansicht von Umm Habiba und anderen Ehefrauen des Propheten, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, begründete. Imam Abu ­Hanifa war der Ansicht, dass durch die Tatsache, wonach der Prophet seine ­freiwilligen Gebete zu Hause machte, die Überlieferung seiner Ehefrauen die stärkere sei.

Auch wichtige Ereignisse wie der Anfang der prophetischen Mission wurden gezielt von Frauen weitergegeben. ‘Aischa beispielsweise überlieferte einen detailrei­chen Bericht über die Umstände der ersten Offenbarung [des Qur’an]. Er ­wurde von Imam Al-Bukhari festgehalten; direkt nach dem Hadith, wonach Handlungen durch die sie begleitenden Absichten bewertet werden.

Wir alle wissen, dass die rituelle Reinheit eine essenzielle Vorraussetzung für die Gültigkeit des rituellen Gebets (As-Salat) ist. Die Gefährtin Rubija bint Muawidh, möge Allah ihr gnädig sein, war eine bekannte Vermittlerin von Hadithen. Ihre Berichte finden sich bei Imam Bukhari, Muslim, Ibn Madschah und anderen Sammlungen. Sie berichte­te, wie der Prophet, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, die Gebets­waschung vollzog, die sie mit eigenen Augen beobachtete. Die Gefährten kamen zu ihr, um das Ritual zu lernen. Trotz der Tatsache, dass Abu Bakr, ‘Umar, ‘Uthman, ‘Ali, Mu’adh ibn Dschabal oder ‘Abdullah ibn Mas’ud, möge Allah mit ihnen allen zufrieden sein, in Medina waren. Zu ihren Schülern zählten Leute wie ‘Abdullah ibn ‘Abbas, der bekannte Qur’ankommentator – ein Mitglied der Prophetenfamilie. Er fragte niemals: „Warum sollte ich von ihr lernen, wo ich doch aus der Familie des Propheten stamme.“ Das gleiche gilt für ‘Ali Zain Al-’Abidin, dem Urenkel des Gesandten Allahs, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, der selbst ein wichtiger Gelehrter war. Sie gingen zu jedem Menschen mit Wissen – unge­achtet seines Geschlechts.

Interessanterweise gab es kein einziges, von einer Frau weitergegebenes Hadith, dass zurückgewiesen worden wäre, weil die Übermittlerin ein Lügnerin gewesen wäre. Imam Dhahabi bestätigte dies: „Es gab viele Männer, die Hadithe fälschten. Jedoch keine Frau in der Geschichte des Islam wurde dessen beschuldigt.“ Im Lichte dessen sollte die ­intellektuelle Integrität von Frauen nicht in Frage gestellt werden. Sie waren wahrhaftige Übermittler des religiösen Wissens.

Amra bin ‘Abdurrahman befand sich unter den größten Nachfolgerinnen; jene Generation, die nach den Prophetengefährten kam. Sie war eine ­Rechtsgelehrte, gab Fatwas und war Spezialistin für prophetische Aussagen. Der große Khalif ‘Umar ibn ‘Abdul ‘Aziz sagte: „Wenn ihr Ahadith lernen wollt, geht zu Amra.“ Imam Zuhri, dem die erste systematische und editierte Hadithsammlung zugeschrieben wurde, sagte: „Geht zu Amra, sie ist ein großes Gefäß für Hadithe.“ In der Zeit von Medina hörte Amra das Urteil über einen Dieb in Syrien. Sie korrigierte das Urteil des Qadis. Und jener stellte weder ihre Autorität in Frage, noch holte er eine zweite Meinung eines ande­ren Gelehrten ein, von denen es damals eine Menge in Medina gab, darunter auch Imame wie Sa’id ibn Al-Musaijab.

Eine der größten Nachfolgerinnen, Umm Darda, lehrte in der großen ‘Umaijaden-Moschee in Damaskus, und in Jerusalem. Ihre Klassen wurden von Imamen, Rechtsgelehrten und Hadith-Spezialisten besucht. Der einflussreiche Khalif ‘Abdulmalik ibn Marwan – seine Herrschaft reichte von Spanien nach Indien – hatte eine Lehrerlaubnis von ­’Abdullah ibn ‘Umar, dem größten Faqih seiner Zeit in Medina. Als er alt wurde, fragten ihn die Leute: „Zu wem sollen wir nach dir gehen, sollten wir Urteile brauchen?“ Der Khalif entgegnete: „Marwan hat ­einen Sohn [‘Abdulmalik], der Rechtsge­lehrter ist. Also fragt ihn.“ Ibn ‘Umar gab ‘Abdulmalik seine Unterstützung.

Aber selbst ‘Abdulmalik ibn Marwan nahm am Unterricht von Umm Darda teil und schämte sich niemals, von ihr zu lernen. Des Weiteren diente er ihr in bescheidener Weise. Es wurde berichtet, dass sich Umm Darda wegen ihres fortgeschrittenen Alters nach dem Unterricht bei ‘Abdulmalik anlehnte, um zum Gebet in die Moschee zu gehen. Er half ihr danach, wieder an den Ort ihres Unterrichts zurückzukehren. Die Tatsache, dass diese Frauen Männer lehrten, die selbst große Gelehrte waren, ist ein Hinweis auf den Respekt und den Rang, der ihnen eingeräumt wurde.

Quelle:http://www.islamische-zeitung.de/index.cgi?id=16458

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