Eine der ersten deutschsprachigen muslimischen Gemeinden

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Kaffee: Welthandel und -kultur haben den Muslimen einiges zu verdanken. Von Laila Massoudi

Das jüngste Wiederaufleben des Kaffeehauses (...) enthält vielleicht auch eine Sehnsucht nach der Gemeinschaftlichkeit, wie sie von den Derwischen der Schadhilija vor 600 Jahren praktiziert wurde, als sie sich zur Erinnerung an Allah sammelten und die Tasse von Hand zu Hand gehen ließen.“ (Kathleen Seidel)

Ob als ungenießbare Instantbrühe in überfüllten Flugzeugen, ob zum „Mitnehmen“ (um den nervigen Anglizismus „to go“ zu vermeiden) vor der Arbeit oder als hochwertiges Handwerk in der Mitte Wiens genossen: Der Kaffee ist Teil unseres Alltags. Wer daran zweifelt, kann viele Muslime während des Ramadans fragen, ob etwas in ihrem Tagesablauf fehlt (wenn es nicht die Substanz ist, dann das Ritual). Man wird es kaum glauben, das „Genussmittel – dessen gesundheitlicher Nutzen immer öfter betont wird – ist nicht nur das am meisten gehandelte Agrarprodukt weltweit, sondern nach dem Erdöl der zweitwichtigste Rohstoff (in Sachen Handelsvolumen) überhaupt.

Selbst bei uns deutschen Micheln ist das einstmals als „Türkentrunk“ verschriene Gebräu sogar das beliebteste (was das Vorurteil, die Deutschen seien allesamt ein Haufen verschlafener Biertrinker, entkräftet). Dass der an Sarrazin geschulte Bundesbürger seinen Morgenkaffee – oder Latte macchiato, wenn er beziehungsweise sie der neuen Mitte angehö­ren – trinkt, ist Alltag. Dass er das im wahrsten Sinne des Wortes globale Getränk Muslimen der Arabischen Halbinsel und der Levante verdankt, die es im größeren Umfang „entdeckten“, kultivierten und handelten, dürfte ihm nicht bewusst sein.

Kaffee – das Getränk der Welt – ist eine Kraft, die Ökonomien (entstand doch der Kapitalismus auch in den ersten Kaffeehäusern wie Lloyds in London, 1688) vorantreibt, Meinungen prägt und Menschen zusammenbringt. Er ist ein gemeinsames Vergnügen, zu dem die Welt am Morgen aufwacht und bis in die Nacht hinein wach bleibt. Sein produktive Energie kann nicht geleugnet werden. Seine Fähigkeit Gespräche anzufachen und sogar Freundschaften zu stiften, ist beeindruckend.

Angefangen von Stämmen im äthiopi­schen Hochland (entsprechend einer Legende), über Sufis in der Region von ­Mekka und Medina, die den Kaffee zur Steigerung ihrer Konzentration bei der abendlichen Anrufung Allahs benutzten, bis zur Kaffeekultur der Osmanen: Die frühe Geschichte dieses heute globalen Heißgetränks ist untrennbar mit Muslimen verbunden. Nicht zu Unrecht wurde es daher von einigen auch als „Wein des Islam“ bezeichnet.

In die ganze Welt
Der eigentliche Ursprung des Kaffees ist nicht vollkommen geklärt. Es gibt wohl Hinweise, wonach seine Bohnen – bevor sein Kochen bekannt war – für archaische „Energieriegel“ benutzt wurden. Abessinien – das ­heutige ­Äthiopien – wird genannt, ebenso Arabien oder Ägypten, Persien oder Indien. Heute herrscht die Meinung vor, dass die Kaffeekultur ihren Ursprung in der Provinz Kaffa, in Abessinien, hatte und von dort nach Arabien kam.

Dass die Pflanze ursprünglich auf dem afrikanischen Kontinent ­beheimatet war, ist allgemein ­anerkannt. Zu welchen Zeitpunkt nun keimfähige Samen den kleinen Seeweg über das Rote Meer nach der arabischen Halbinsel angetreten haben, wissen wir bis heute ebenso wenig wie die Namen derer, die sie dorthin brachten. Sicher ist nur, dass sein muslimisch geprägter Siegeszug zwar dem letzten Winkel der Welt der Araber entwuchs, aber danach den Osmanen zu verdanken ist. Wo immer der Islam hinkam, folgte der Kaffee auf dem Fuße.

Kaffeeanbau und -handel entwickelten sich in Folge zu einem Geschäft, an dem immer mehr Beteiligte immer mehr Geld verdienten. Im Jahr 1517 wird erstmals vom Kaffeegebrauch in Istanbul berichtet, die Weiterverbreitung nach Norden und Westen folgte. Wo osmani­sche Truppen auch immer stationiert wurden – der Küchenwagen mit den Kaffeebohnen ließ nicht lange auf sich warten. Um 1600 ist der Kaffeetrank im gesamten Reich bekannt.

Nach und nach lernen ihn, an verschiedenen Orten des Osmanischen Reiches – unabhängig voneinander – euro­päische ­Reisenden kennen. Der Kaffee blieb aber nicht nur, wie es anfänglich der Fall war, ein exotisches Getränk für die wenigen, die sich das damalige Luxusgut leisten konnten. Er veränderte auch den Tagesablauf vieler Europäer, deren wichtigste Getränke zuvor Bier oder Wein waren. Viele begannen ihren Tag mit „Biersuppe“ und tranken im Verlauf des Tages stetig weiter. Es war in Kaffee­häusern, in denen viele Geister Europas um Ideen stritten, die später zur Aufklä­rung führten. Und später waren es Kaffeehäuser, in den die Amerikaner John Adams und Paul Revere ihre Revolution planten.

Traditionelle Zubereitung
In der Region gibt es zweier Arten Kaffee: arabischen , der nur unter Arabern, vor allem in Saudi-Arabien, im Jemen und von Beduinen getrunken wird, und türkischen, der in den Städten Mode ist. Arabischer Kaffee wird in zwei Töpfen (dallahs) zubereitet – im ersten gebrüht und in den zweiten gegossen – immer ohne Zucker. Türkischer Kaffee wird in schmalen, verzinnten Kupferkännchen mit langem Stiel (türk. cezve) gebraut. Die Kaffeebohnen werden immer frisch geröstet und dann zu einem sehr feinen Pulver zerstoßen oder gemahlen, das in das Wasser im Topf gerührt wird. Weil der Kaffee schon bei der Zubereitung gesüßt wird, wird der Gast immer gefragt, ob er seinen Kaffee süß, mittelsüß oder ungesüßt haben will; deshalb braucht jeder Haushalt mehrere Kochgeschirre für Kaffee.

In den Ländern wie Jemen, Saudi-Arabien oder Jordanien wird zum Aromatisieren oft eine Kardamom-Kapsel in die Kaffeekanne gegeben. Die Tassen sind klein und zylindrisch. In manchen Ländern sind sie hauchdünn und henkellos und werden in einen Metallhalter gesetzt, der passend zum Muster des zugehörigen Tablett aus Messing oder Silber gefertigt ist. Wer authentischen arabischen oder türkischen Kaffee zubereiten will, kann jede Arabica-Bohne nehmen. Türkischer Kaffee in Dosen oder abgepackt in türkischen Läden zu bekommen.

Lektüretipp: Wer mehr über die spirituellen und historischen Hintergründe des Kaffees in der Welt des Islam erfahren möchte, findet bei Kathleen Seidels „Serving the Guest: A Sufi Cookbook“ (das insgesamt eine gute Einführung ins Kulinarische und Gastfreundschaftliche ist) viele Hintergrundinformationen. Das Buch ist auf einer Webseite zu finden.

 

Quelle:IZ

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